1. Wir gestalten, also sind wir
[Ohne die menschliche Wirklichkeit gäbe es keine Menschen]
Der Mensch verkörpert seine Lebenswelt, indem er Lebensräume verwirklicht.
Kommentar: Die Wirklichkeit der Menschen ist die Welt der Räume, die als Lebensräume verwirklicht werden. Ein Lebensraum setzt menschliche Körperlichkeit fort, indem er den körperlichen Antrieb gemeinsam gestaltender Menschen kumuliert. Die Dinge werden als kumulative Lebensräume verwirklicht und gelten insofern als wirklich, als sie als solche (im sinne fortgesetzter Körperlichkeit) nachhaltig verortet werden.
[Verwirklicht werden Geltungen]
Handelt man gemeinsam nach Abmachungen, bevor sie verworfen werden, werden diese über die herkömmlichen Abmachungen unterschieden.
Beachtet man Unterscheidungen, indem man nach ihnen handelt, werden sie nicht mehr verworfen. Man orientiert sich an Geltungen.
Verwirft man Unterscheidungen, indem man handelt, orientiert man sich autonom.
2. Zivilisation als Orientierungshaltung
[Der Mensch unterhält Geltungen]
Die Lebenswelten verorten Orientierungshandlungen.
Zivilisationen entstehen, wenn Orientierungshaltungen verortet werden.
Wenn Geltungen verortet werden, hält man sie für wirklich*. Man unterhält Geltungen, indem man nach ihnen handelt, ohne sie zu verwerfen (Geltungsorientierung).
Hält man Menschen für wirklich, werden Subjekte verortet, die Geltungen verwerfen, indem sie sich orientieren (Subjektorientierung).
*Dabei heißt „wirklich sein“ – gestalten dürfen, Potenzial haben. Meistens befinden sich die beiden Haltungen in einem Gleichgewicht.
[Kulturen]
Das Gleichgewicht der Orientierungshaltungen wird in Orientierunssystemen ausgetragen, die wir Kulturen nennen, sofern man sich man sich an Geltungen orientiert, wobei (subjektfeindliche) Geltungssysteme unterhalten werden. Orientiert man sich an Subjekte, die sich autonom orientieren, konsolidieren sich (systemfreie) Subjektwelten.
[System verkörpert sich, indem sie einen Fremdantrieb verortet…]
Aus der Verkörperung von Verfahren, die Energiequellen zu sichern, entstehen Systeme. Sie erschließen Energien, indem sie die nachhaltige Verkörperung der exemplarischen Energiequellen durch ihre Verortung absichern, um ihnen die „überschüssige“ Energie abzuleiten. Systeme verkörpern sich somit über Zeiträume, die sie mit überschüssiger Energie verwirklichen, die sie nutzen, wenn sie die Energiequellen in Zeiträumen sichern.
Alles, was raumzeitlich begrenzt ist und einen eigenen Antrieb hat, ist ein System, sofern es in der Lage ist, seine Integrität durch die Sicherung seines Lebensraums autonom wieder herzustellen. Die Zelle nutzt die Energie der Spaltung, indem sie sie domestiziert. Systeme sind Verkörperungsverfahren, die als Energienutzungsverfahren erkennbar sind.
[Die Wahrheit des Gewissens]
Wer sich an Geltungen orientiert, hält das Wissen für wahr, wer Subjekte gestalten lässt - das Gewissen. Das Wissen gestaltet, indem es gilt, Subjekte – indem sie sich autonom orientieren. In beiden Fällen liefern die Menschen den biosozialen Antrieb. Im ersten unterhalten sie Organisationen, die Geltungen züchten, im zweiten – Subjekte, die eigene Urteilsfähigkeit.
[Wer sich verwandelt, verfügt…]
Wer gestaltet - existiert, wer sich autonom orientiert – erkennt und kann urteilen. Wer sich verwandeln kann, solange die anderen konstant bleiben, kann über sie verfügen. Verwandeln sich Systeme, so können sie über Subjekte verfügen und Geltungen über die Menschen. Verwandeln sich Subjekte, so verfügen sie über Geltungen, indem sie sie verwerfen.
2. Wenn der Gleichgewicht kippt…
[Die Wirklichkeit des Nutzens ist die Lebenswelt der Geltungen]
In einer Geltungswirklichkeit herrschen Regeln, und – solange der Antrieb stimmt - werden die Geltungen zu Systemen, indem sie sich verselbständigen. Autonome Systeme erzeugen Sinn, indem sie die Menschen orientieren. Wer orientiert wird, verbraucht keine Lebenskraft dafür, sich selbst zu orientieren, aber dafür, die Geltungssysteme zu unterhalten.
[Wer Sinn erzeugt gestaltet, wer ihn konsumiert – liefert Energie]
Wer Sinn erzeugt, orientiert sich, kann urteilen und erzeugt Geltungen, wer Sinn konsumiert, kann lediglich „wissen“ oder „nicht wissen“. Ambivalenz der Orientierung befreit, Binarität des Wissens versklavt. Wer Sinn erzeugt, gestaltet, wer Sinn konsumiert – liefert Energie.
Das Sinnmonopol der Geltungssysteme entwürdigt Menschen, indem sie sie zu biologischen Antriebslieferanten macht. So werden Geltungen zu Potenzialträgern und urteilsfähige Menschen (Subjekte) unnutz.
[Wenn Geltungen gestalten, wird Macht erzeugt]
Menschen erleben und können erfahren, Geltungen werden erlebt und erfahren nicht. Wenn Geltungen gestalten, erfahren Menschen die Macht. Potenzialfähigkeit der Geltungen wird von urteilsfähigen Subjekten als Zwang erlebt, von subjektlosen Personen – als Pflicht.
Systeme bilden Geltungen aus, die ihnen Antrieb sichern. Ihre Berechtigung ist Nutzen. Solche Geltungen werden von Menschen als Wissen erfahren.
[Die Wirklichkeit der Liebe ist die Lebenswelt der Menschen]
In einer Menschenwirklichkeit herrschen Subjekte, die sich autonom orientieren. Sie bilden Orientierungswissen aus, die wir Gewissen nennen. Ihre Berechtigung ist Liebe.
3. Die Welt als Geltung
„Die Welt des Nutzens kann nicht die Welt der Menschen sein.“ (Laotse)
Tendenziell verführt der intersubjektiv gelebte Glaube an den Vorzug der Geltungsgewissheit (also mittels der geordneten Zeichen fest gehaltenen Wissens) zur notwendigen Regeltreue, die eine passive Orientierung perfektioniert und deshalb effizientes Handeln ermöglicht (Leistungsprinzip), aber alles Subjektive als nicht trivial Filtert und die somit konstruierte Wirklichkeit - von regelgestützten Organisationen - manipulierbar und folglich nicht mehr individuell erfahrbar (Medialität), also weitgehend subjektfeindlich und für Individuen nicht lebenswert macht. Diese Welt kann nicht die Welt der Menschen sein, sie ist die Welt der subjektfeindlichen Geltungssysteme.
3. Ich orientiere mich, also bin ich
„Je mehr ich weiß, umso mehr weiß ich, das ich nichts weiß.“ (Albert Einstein)
Der Spruch gilt für das Geltungswissen in einer Welt des Nutzens.
Ich weiß etwas nur insofern, als ich mich in meiner Lebenswelt orientiere.
4. Die Liebe heilt
[Die Chance zu sein ist die Chance auf Verwandlung]
Liebe ist Aufmerksamkeit, die das Potenzial des anderen bedingungslos – jenseits des Nutzens – anerkennt, ihm die Chance der Verwandlung öffnet.
Im Zustand der Verwandlung öffnen sich dem Menschen Leistungsquellen, die jedes Geltungssystem für sich nutzt.
Das Ausmaß, in dem der Liebe seitens der Geltungssysteme Verwandlungsberechtigung eingeräumt wird, hängt von dem jeweiligen Orientierungssystem ab.
Dementsprechend werden die Chancen auf Fortpflanzung, körperliche Selbstentfaltung (Verkörperung) oder auf Geltung (Verwirklichung) über die Liebe ausgetragen.
In den meisten Kulturen spaltet sich die Liebe im obligatorischen Koordinatensystem des Nutzens auf. Wer liebt, räumt Chancen ein, wer geliebt wird, trägt die Verantwortung.
Bereiche, in denen Verwaltung durch Liebe freigestellt wird, sind geltungsfreie Räume, die mit systemischen Verpflichtungen belastet werden (Systemantrieb).
Die autonome Orientierungsgewissheit (Gewissen) als Verwirklichungsprinzip hingegen befreit das Subjekt in seinem Orientierungspotenzial, was die triviale Wirkungswelt durch eine menschenorientierte Lebenswelt der Liebe ersetzt.
[Der ethische imperativ]
Handle stets so, dass deine Liebe wächst.
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